Deutsche Wirtschaft rutscht wieder in den rezessiven Bereich, da Sorgen über Zölle den Ausblick
belasten
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Flash Deutschland Composite PMI(1) bei
49,7 (März: 51,3). 4-Monatstief. HCOB Flash Deutschland Services PMI(2) bei 48,8 (März: 50,9).
14-Monatstief. HCOB Flash Deutschland Industrie Index Produktion(4) bei 51,6 (März: 52,1).
2-Monatstief. HCOB Flash Deutschland Industrie PMI(3) bei 48,0 (März: 48,3). 2-Monatstief.
Die deutsche Wirtschaft ist im April wieder in den rezessiven Bereich gerutscht, da Sorgen über Zölle
und die Unsicherheit die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf ein 6-Monatstief sinken ließen und
auch die Nachfrage belasteten. Der Arbeitsmarkt blieb unter Druck, wenngleich die Beschäftigung nur
geringfügig und mit der niedrigsten Rate seit knapp einem Jahr sank.
Gleichzeitig wurden die
Verkaufspreise in der Industrie erstmals seit knapp zwei Jahren wieder angehoben, womit auch die
durchschnittlichen Verkaufspreise für Güter und Dienstleistungen insgesamt etwas mehr zulegten als
zuletzt. Die Einkaufspreise in der Industrie sanken hingegen nicht nur stark, sondern auch mit
beschleunigter Rate, während sie im Servicesektor abermals kräftig stiegen.
Der HCOB Flash
Deutschland Composite PMI sank im April mit 49,7 Punkten nach 51,3 im März erstmals seit vier Monaten
wieder unter die Wachstumsmarke von 50 Punkten und signalisierte damit einen minimalen Rückgang der
Wirtschaftsleistung.
Ausschlaggebend hierfür war der Servicesektor, wo die Geschäftsaktivität
erstmals seit letztem November und so stark zurückging wie seit Februar 2024 nicht mehr (Index bei 48,8).
Die Industrieproduktion wurde hingegen zum zweiten Mal hintereinander ausgeweitet, wenngleich nur moderat
und mit leicht abgeschwächter Rate (Index bei 51,6).
Ähnlich die Entwicklung beim
Auftragseingang, wo die Serviceanbieter ein Minus und das verarbeitende Gewerbe ein leichtes Plus
verzeichneten. Sorgen über Zölle und die daraus resultierende Unsicherheit setzten den Dienstleistern zu.
Einige Kunden sollen Entscheidungen aufgeschoben und ihre Ausgaben aus Sorge über die wirtschaftlichen
und politischen Aussichten zurückgefahren haben, hieß es. Im verarbeitenden Gewerbe verbuchten die
Unternehmen hingegen den zweiten Monat in Folge mehr Neuaufträge, wozu auch der erste Zuwachs bei den
Auslandsbestellungen seit über drei Jahren beigetragen hat.
Beide Steigerungsraten blieben
jedoch äußerst niedrig. Vorzieheffekte und ein damit in Zusammenhang stehender Lageraufbau hätten sich
hier positiv ausgewirkt, so die Umfrageteilnehmer.
Die Geschäftsaussichten binnen
Jahresfrist sackten im April in der größten Volkswirtschaft der Eurozone markant ab und landeten auf
einem Sechs-Monatstief. Nach unten revidiert wurden die Erwartungen sowohl in der Industrie als auch im
Servicesektor – in Letztgenanntem sank der Grad an Optimismus sogar auf den tiefsten Wert seit September
2023.
Die Beschäftigtenzahlen sanken erneut, diesmal jedoch nur noch minimal und mit der
niedrigsten Rate seit Beginn des Stellenabbaus vor elf Monaten. Im verarbeitenden Gewerbe verringerte
sich die Beschäftigung zwar erneut stark, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate seit zehn Monaten. Bei
den Serviceanbietern setzte sich der kräftige Stellenaufbau hingegen fort, hier wurden per Saldo sogar so
viele neue Jobs geschaffen wie seit Mai 2024 nicht mehr.
Aufgrund des mangelnden
Kapazitätsdrucks auf breiter Front nahmen die Auftragsbestände erneut überdurchschnittlich stark ab, der
Rückgang fiel diesmal jedoch so schwach aus wie zuletzt vor elf Monaten.
Nach dem
Vier-Monatstief im März stiegen die Verkaufspreise für Güter und Dienstleistungen im April mit leicht
beschleunigter Rate, hauptsächlich wegen der ersten minimalen Erhöhung der Verkaufspreise seit knapp zwei
Jahren in der Industrie. Die Serviceanbieter verfügten über eine größere Preismacht, wenngleich die
Angebotspreise hier mit der niedrigsten Rate seit letztem Oktober angehoben wurden.
Aufgrund
verbilligter Rohstoffe, darunter Öl und Metalle, dem Wettbewerbsdruck unter den Lieferanten sowie dem
stärkeren Euro gingen die Einkaufspreise in der Industrie nicht nur erneut stark, sondern mit
beschleunigter Rate zurück. Die Serviceanbieter vermeldeten hingegen einen kräftigen und nochmals leicht
beschleunigten Kostenauftrieb. Ungeachtet dessen legten die Einkaufspreise in beiden Sektoren
zusammengenommen mit der niedrigsten Rate seit fünf Monaten zu.
Dr. Cyrus de la Rubia,
Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Man könnte sagen, dass das
exportorientierte Wachstumsmodell Deutschlands vor einigen ernsthaften Herausforderungen steht, aber die
Zollpolitik der USA hat bislang noch nicht zu einem größeren Einbruch in der Industrie geführt.
Tatsächlich ist es den Herstellern gelungen, ihre Produktion zum zweiten Mal in Folge zu steigern und
sogar einen leichten Anstieg der Exportaufträge zu verzeichnen, was seit Anfang 2022 nicht mehr der Fall
war. Das ist ziemlich beeindruckend und könnte auf die Hoffnung auf Kompromisse mit den USA sowie auf die
gut diversifizierten Exportziele Deutschlands zurückzuführen sein – 90 % der Exporte gehen in andere
Länder als die USA. Natürlich besteht nach wie vor große Unsicherheit, und der Optimismus hinsichtlich
der künftigen Produktion hat etwas gelitten.
Die Gewinnmargen im verarbeitenden Gewerbe
könnten sich verbessern. DieEinkaufspreise sind dank niedrigerer Energiekosten deutlich gesunken, und die
Unternehmen konnten ihre Verkaufspreise zum ersten Mal seit Mai 2023 wieder leicht anheben. Dies könnte
ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit in dem Sektor sein, zumal viele produzierende Unternehmen
Dual-Use-Güter herstellen oder auf die Herstellung von Produkten für militärische Zwecke umstellen
können.
Da die neue Regierung voraussichtlich die Verteidigungsausgaben erhöhen wird, beginnen
viele Unternehmen, in diese Richtung zu denken.
Für die Dienstleister läuft es nicht rund. Die
Geschäftstätigkeit ist rückläufig, und der Optimismus hinsichtlich der zukünftigen Geschäftsentwicklung
hat einen Dämpfer erhalten. Dennoch zeigen das anhaltende Beschäftigungswachstum und Anzeichen einer
Stabilisierung des Neugeschäfts, dass die Unternehmen noch lange nicht aufgeben. Mit der erwarteten
expansiven Fiskalpolitik dürften Dienstleister von dieser Entwicklung profitieren können.
Die
Kosten im Dienstleistungssektor sind schneller gestiegen als in den Vormonaten, was die Hoffnungen auf
eine Verlangsamung des Lohnanstiegs und einem damit verbundenen geringeren EinflussAuswirkungen auf die
Gesamtkosten dämpft. In Verbindung mit einer langsameren Inflation der Verkaufspreise bedeutet dies, dass
die Gewinnmargen im Dienstleistungssektor unter Druck geraten.“
Stärkster Auftragsrückgang seit Jahresbeginn: Eurozone-Wirtschaft tritt auf der Stelle
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Flash Eurozone Composite PMI(1) bei 50,1 (März: 50,9),
4-Monatstief. HCOB Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit(2) bei 49,7 (März: 51,0),
5-Monatstief. HCOB Flash Eurozone Index Industrieproduktion(4) bei 51,2 (März: 50,5),
35-Monatshoch. HCOB Flash Eurozone Industrie PMI(3) bei 48,7 (März: 48,6), 27-Monatshoch.
Wie die Vorabschätzung signalisiert, blieb die wirtschaftliche Aktivität der Eurozone zu Beginn des
zweiten Quartals weitgehend konstant. Gebremst wurde der Aufwärtstrend von einem beschleunigten
Auftragsrückgang und der schwindenden Zuversicht beim Jahresausblick, der auf den tiefsten Wert seit
knapp zweieinhalb Jahren absackte. Analog zum Wachstum blieb auch die Lage am Arbeitsmarkt nahezu
unverändert. Die Einkaufsmenge wurde abermals reduziert, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit knapp
drei Jahren. Zugleich schwächte sich der Inflationsdruck ab, was die verlangsamten Steigerungsraten der
Ein- und Verkaufspreise zeigten.
Produktion und Nachfrage
Mit seinem
Vier-Monatstief von 50,1 Punkten nach 50,9 im Vormonat signalisierte der saisonbereinigte HCOB Flash
Eurozone Composite PMI, dass die Eurozone-Privatwirtschaft im April kaum vom Fleck gekommen ist. Die
aktuelle Umfrage basiert auf rund 85% der regulären Umfrage-Rückmeldungen.
Auf Sektorenebene
lief die Entwicklung allerdings auseinander. So schrumpfte die Geschäftstätigkeit im Servicesektor nach
viermonatigem Wachstum geringfügig, während die Industrieproduktion den zweiten Monat hintereinander und
so kräftig ausgeweitet wurde wie seit Mai 2022 nicht mehr - wenngleich der Anstieg insgesamt nur moderat
ausfiel.
Deutschlands Wirtschaftsleistung schrumpfte zum Quartalsstart erstmals seit vier
Monaten wieder, nachdem sie im März so stark zugelegt hatte wie seit zehn Monaten nicht mehr. Mit
Frankreichs Wirtschaft ging es deutlicher bergab, während die Wirtschaftskraft in den übrigen erfassten
Ländern abermals kräftig stieg, obgleich mit leicht abgeschwächter Rate.
Bremsfaktor Nummer
eins war der elfte Rückgang der Auftragseingänge in Folge – noch dazu der stärkste seit Jahresbeginn.
Sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch bei den Dienstleistern schlug hier ein Minus zu Buche.
Beim Exportneugeschäft (das den Intra-Eurozone-Handel beinhaltet) fielen die Einbußen derweil ähnlich
gravierend aus wie beim GesamtAuftragseingang. Die Auslandsnachfrage geht bereits seit März 2022
ununterbrochen zurück.
Ausblick
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sackten
auf den tiefsten Wert seit November 2022 ab und landeten damit auch unter ihrem Langzeitdurchschnitt. Die
Stimmungseintrübung erstreckte sich sowohl über beide Sektoren als auch über sämtliche von der Umfrage
erfassten Regionen. So sank die Zuversicht in allen Industrie- und Servicesektoren, bei den
Dienstleistern sogar so deutlich wie seit knapp fünf Jahren nicht mehr. In Frankreich fiel der Ausblick
erstmals seit fünf Monaten wieder pessimistisch aus, während der Optimismus in Deutschland und den
übrigen Eurozone-Ländern nachließ.
Beschäftigung
Nach dem ersten Anstieg seit acht
Monaten im März blieb die Beschäftigung im April weitgehend konstant. Hier überlagerte der starke
Rückgang auf der Herstellerseite das moderate und abgeschwächte Plus im Servicesektor. Weiter sinkende
Mitarbeiterzahlen in den beiden größten Volkswirtschaften des Euroraums machten die Zuwächse andernorts
zunichte.
Ungeachtet des anhaltenden Stellenabbaus sorgte der abermalige Auftragsrückgang
dafür, dass die Auftragsbestände den 25. Monat in Folge abnahmen, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate
seit knapp einem Jahr.
Preise
Der Kostendruck nahm weiter ab. So stiegen die
Einkaufspreise insgesamt mit der niedrigsten Rate seit November 2024 und damit langsamer als im
langjährigen Mittel. Während sie im Dienstleistungssektor kräftig zulegten, sanken sie im verarbeitenden
Gewerbe erstmals seit fünf Monaten wieder.
Auch die Verkaufspreise legten im April so
geringfügig zu wie zuletzt vor fünf Monaten. Im Kontrast zu den Einkaufspreisen wurden sie allerdings in
beiden Sektoren angehoben, in der Industrie sogar so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr, wenngleich
der Anstieg insgesamt moderat ausfiel. Bei den Serviceanbietern wurden die Angebotspreise mit der
niedrigsten Rate seit September 2024 erhöht. In Frankreich sanken die Verkaufspreise erstmals seit drei
Monaten wieder, während sie in Deutschland und in den übrigen erfassten Ländern erneut anzogen.
Lagerhaltung und Lieferketten
In der Eurozone-Industrie wurde die Einkaufsmenge abermals
reduziert, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate seit Beginn der Kürzungen vor 34 Monaten. Auch der
Abbau der Vormaterial- und Fertigwarenlager verlangsamte sich und fiel so schwach aus wie zuletzt vor 24
bzw. sechs Monaten. Gleichzeitig verkürzten sich die durchschnittlichen Lieferzeiten zum dritten Mal
hintereinander, und das so sehr wie seit Juni letzten Jahres nicht mehr.
Dr. Cyrus de la
Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
“Das verarbeitende
Gewerbe scheint sich besser zu schlagen als erwartet. Trotz der Einführung allgemeiner Zölle von 10% und
Autozölle von 25% durch die USA Anfang April wirken die meisten Industrieunternehmen in der Eurozone
nicht allzu beunruhigt. Statt einzubrechen wurde die Produktion sogar zum zweiten Mal in Folge
ausgeweitet, und das noch deutlicher als im März. Auch der Stellenabbau hat sich verlangsamt und die
Hersteller konnten ihre Gewinnmargen dank niedrigerer Kosten und der Möglichkeit, die Verkaufspreise
stärker als im Vormonat anzuheben, steigern. Zudem sind die aufgrund der Rezessionsängste in den
Vereinigten Staaten gesunkenen Energiepreise derzeit ein Segen für die Produzenten der Eurozone.
Ein weiterer positiver Faktor ist die angekündigte Erhöhung der Verteidigungsausgaben.
Derweil ist der Dienstleistungssektor aktuell der Spielverderber. Hier ist die Geschäftstätigkeit
geschrumpft, anstatt zu wachsen, wie es seit Februar 2024 fast ununterbrochen der Fall war. Dem Composite
PMI zufolge hat dies wiederum dafür gesorgt, dass die Wirtschaft insgesamt stagniert. Der beschleunigte
Auftragsrückgang deutet darauf hin, dass diese Schwäche noch eine Weile anhalten könnte. Die höheren
Infrastrukturausgaben in Deutschland und die Verteidigungsausgaben in ganz Europa dürften jedoch
letztendlich nicht nur der Industrie, sondern auch den Serviceanbietern zugutekommen, wenn auch mit einer
gewissen Verzögerung.
Indes erhält die Europäische Zentralbank durch die Preisindikatoren im
Dienstleistungssektor, die von der Notenbank genau beobachtet werden, leichte Unterstützung für ihre
Zinssenkungshaltung. Die Kosten sind ähnlich stark gestiegen wie im Vormonat, aber die Erhöhung der
Angebotspreise hat sich spürbar verlangsamt. Bei den Warenpreisen zeigt sich ein gemischtes Bild: Die
Einkaufspreise sind erstmals seit vier Monaten wieder gesunken, während die Verkaufspreise zwar nur
moderat, aber etwas kräftiger als zuletzt angehoben wurden.
In den beiden größten
Volkswirtschaften der Eurozone - Deutschland und Frankreich – zeigen sich ähnliche Muster. In beiden
Ländern wurde die Industrieproduktion im April ausgeweitet, während die Aktivität der Dienstleister
zurückging. Die allgemeine Schwäche scheint in Frankreich etwas ausgeprägter zu sein, insbesondere im
Servicesektor. Dies könnte auf die gegensätzliche politische Lage zurückzuführen sein: In Frankreich
herrscht angesichts einer fragilen Schuldenlage ein ständiges Risiko eines Regierungssturzes. Im Kontrast
dazu besteht in Deutschland die Chance, dass ab Mai eine funktionsfähige neue Regierung mit erheblichem
finanzpolitischen Spielraum an die Macht kommt.“