Talfahrt der Eurozone-Industrie schwächt sich im Januar ab
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex Industrie Eurozone bei 46,6 (Dezember: 45,1), 8-Monatshoch HCOB
Industrie Eurozone Index Produktion bei 47,1 (Dezember: 44,3), 8-Monatshoch Geschäftsaussichten
verbessern sich dank abgebremsten Industrieabschwung weiter
Die Talfahrt der
Eurozone-Industrie hat sich im Januar deutlich verlangsamt. So näherte sich der Sektor dank
abgeschwächter Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang, Vormateriallagern und Einkaufsmenge der
Stabilisierung weiter an, während sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den höchsten Wert
seit knapp drei Jahren verbesserten.
Gleichzeitig beschleunigte sich der Kostenauftrieb
erstmals seit letztem August wieder, die Verkaufspreise blieben nach viermonatigem Rückgang stabil.
Der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Industrie Eurozone stieg von 45,1 Punkten im Dezember auf 46,6 im
Januar und signalisierte mit seinem 8-Monatshoch, dass das verarbeitende Gewerbe im Euroraum mit der
niedrigsten Rate seit Mai 2024 geschrumpft ist. Der Index wird von S&P Global erhoben und spiegelt das
Ergebnis der Januar-Umfrage zur Geschäftsentwicklung in der Eurozone-Industrie in einem Wert wider.
Von den von der Umfrage erfassten Ländern des Euroraums vermeldeten Griechenland und Spanien
erneut Wachstum, das sich in beiden Fällen gegenüber Dezember allerdings verlangsamt hat. Frankreich und
Deutschland waren Schlusslichter in der PMI-Rangliste, wenngleich sich die Geschäftseinbußen in beiden
Ländern deutlich abgeschwächt haben. Auch in Österreich und Italien verlangsamte sich die Talfahrt,
während sie sich in den Niederlanden geringfügig beschleunigte.
Dass der PMI-Hauptindex im
Januar stieg, lag vor allem an den beiden Schwergewichts-Unterindizes Auftragseingang (30%) und
Produktion (25%), die jeweils den schwächsten Rückgang seit Mai 2024 auswiesen – was gegenüber der
zweiten Jahreshälfte 2024 durchaus eine Verbesserung darstellt. Auch das Exportgeschäft* war diesmal ein
nachlassender Bremsfaktor, hier verbuchten die Branchenakteure den schwächsten Rückgang seit letztem
Mai.
Die Einkaufsmenge wurde im Januar mit der niedrigsten Rate seit acht Monaten reduziert.
Folglich verlangsamte sich auch der Abbau der Vormateriallagerbestände (deren Index ebenfalls in die
Berechnung des PMI-Hauptindexes einfließt).
Die Beschäftigung sank hingegen den 20. Monat in
Folge und mit leicht beschleunigter Rate. Auchdie Auftragsbestände nahmen ein weiteres Mal ab.
Gleichzeitig verstärkte sich der Kostendruck. So stiegen die Einkaufspreise erstmals seit August 2024
wieder, wenngleich nur moderat und deutlich schwächer als im langjährigen Mittel. Dass die gestiegenen
Kosten nicht an die Kunden weitergegeben wurden war daran zu erkennen, dass die Verkaufspreise stabil
blieben, nachdem sie in den vier Vormonaten reduziert worden waren. Seit Mai 2023 wurden die
Verkaufspreise in 19 von 21 Monaten reduziert.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist
hellten sich weiter auf und fielen so optimistisch aus wie seit Februar 2022 nicht mehr – dem Monat, in
dem Russland mit einem Großangriff in die Ukraine einmarschierte.
Rangliste der Industrie-PMIs
im Januar
Griechenland 52,8 2-Monatstief Spanien 50,9 5-Monatstief Niederlande 48,4
2-Monatstief Italien 46,3 3-Monatshoch Österreich 45,7 8-Monatshoch Deutschland 45,0
(Flash: 44,1) 8-Monatshoch Frankreich 45,0 (Flash: 45,3) 7-Monatshoch
Dr. Cyrus de la
Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"Es ist definitiv noch zu früh,
von zarten Konjunkturtrieben im verarbeitenden Gewerbe zu sprechen. Aber wir sehen den Anstieg des
HCOB-PMI als ersten Schritt in Richtung Stabilisierung nach zwei Monaten sich verschärfender
Rezession.
Höhere Einkaufspreise stellen angesichts der schwächelnden Wirtschaft in den
letzten zwei Jahren eine Herausforderung für den Industriesektor dar. Die Erhöhung, die zum Teil auf den
Anstieg der durchschnittlichen Ölpreise um fast 7% im Januar zurückzuführen sein dürften, könnten auch
für die EZB eine Herausforderung darstellen, da die vorherige Abschwächung der Gesamtinflation
größtenteils den niedrigeren Energiepreisen zugeschrieben werden kann.
Auch wenn die neue
US-Regierung das verarbeitende Gewerbe Europas und seine Exporte wahrscheinlich mit Zöllen und anderen
Maßnahmen belegen wird, haben sich die Geschäftsaussichten deutlich verbessert. Der dazugehörige Index
legte vier Punkte zu und notiert damit leicht über seinem langfristigen Durchschnitt. Es besteht die
Hoffnung, dass die Zeit der Lethargie mit den Wahlen in Deutschland und möglicherweise auch in Frankreich
zu Ende geht und ein Klima des Aufbruchs entsteht, Dinge zu ändern und den Hebel umzulegen.
Deutschland und Frankreich halten nun gemeinsam die rote Laterne im verarbeitenden Gewerbe der
Eurozone, wobei es Österreich und Italien nicht viel besser geht. Zumindest hat sich die Rezession in all
diesen Ländern sektorübergreifend etwas verlangsamt. In Deutschland und Frankreich ist die Situation bei
Investitionsgütern, Vorleistungsgütern und Konsumgütern nicht mehr so dramatisch wie im Vormonat.
Möglicherweise wird sich die Lage in diesem Jahr weiter verbessern. Denn trotz aller Zollandrohungen von
Trump sollten wir nicht vergessen, dass 90% oder mehr der Exporte der Länder der Eurozone in andere
Länder als die USA gehen."
Eurozone-Wirtschaft verzeichnet im Januar Mini-Wachstum
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Composite PMI® Eurozone bei 50,2 (Finalwert Dezember: 49,6), 5-Monatshoch HCOB
Dienstleistungsindex Eurozone bei 51,3 (Finalwert Dezember: 51,6), 2-Monatstief Trotz Mini-Wachstum
bleibt die Erholung wegen des anhaltenden Auftragsrückgangs fragil
Die Eurozone-Wirtschaft ist
im Januar erstmals seit August letzten Jahres wieder geringfügig gewachsen. Aufgrund des zwar
verlangsamten, jedoch anhaltenden Auftragsrückgangs stand die Erholung allerdings auf wackligen Beinen
und dürfte in erster Linie durch die Abarbeitung der Auftragsbestände zustande gekommen sein. Der
stärkste Anstieg der Einkaufspreise seit April 2023 stellte die Unternehmen vor zusätzliche
Herausforderungen.
Da die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist so optimistisch ausgefallen
sind wie zuletzt im Juli 2024, stabilisierte sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt weitgehend.
Der finale saisonbereinigte HCOB Composite PMI für die Eurozone - ein gewichteter Mittelwert aus dem
HCOB Eurozone Index Industrieproduktion und dem HCOB Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit – stieg im
Januar mit 50,2 Punkten nach 49,6 im Dezember wieder über die neutrale Referenzlinie von 50 Punkten und
signalisierte damit erstmals seit August 2024 wieder geringfügiges Wachstum. Ausschlaggebend hierfür war
vor allem der verlangsamte Produktionsrückgang in der Industrie. Das Geschäftswachstum im Servicesektor
schwächte sich gegenüber Dezember hingegen leicht ab.
Wachstumsmotor im Euroraum blieb
Spanien, wenngleich der Aufschwung hier leicht an Fahrt verlor. Auch Deutschland lieferte im Januar
maßgebliche Impulse, wenngleich der Composite-PMI hier trotz des höchsten Werts seit Mai 2024 (50,5
Punkte) nur geringfügiges Wachstum signalisierte. In Italien herrschte weiter annähernde Stagnation, und
Frankreichs Wirtschaft schrumpfte zum fünften Mal hintereinander.
Der achte Auftragsrückgang
in Folge fiel im Januar insgesamt nur noch minimal und schwächer aus als in den zurückliegenden sieben
Monaten seit Beginn der Auftragsflaute. Das Exportgeschäft blieb nicht nur rückläufig, das Minus fiel
hier sogar noch deutlich höher aus als beim Gesamt-Auftragseingang.
Angesichts des anhaltenden
Mangels an Neuaufträgen in der Industrie und im Servicesektor resultierte das Mini-Wachstum zu
Jahresbeginn in erster Linie aus der Abarbeitung der Auftragsbestände, und zwar in beiden Sektoren.
Folglich wies der entsprechende Gesamt-Index den 22. Rückgang in Folge aus.
Dass die
Beschäftigung insgesamt nur noch minimal sank und sich die Lage am Arbeitsmarkt damit nahezu
stabilisierte, kam der Geschäftstätigkeit ebenfalls zu Gute. Der Stellenabbau beschränkte sich im ersten
Monat des Jahres auf das verarbeitende Gewerbe, bei den Serviceanbietern beschleunigte sich der Jobaufbau
gegenüber Dezember sogar leicht.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich
aktuell zwar weiter und fielen so optimistisch aus wie seit Juli 2024 nicht mehr, im historischen
Vergleich blieben sie jedoch gedämpft. Bemerkenswert an den aktuellen Umfrageergebnissen war, dass der
Ausblick in der Industrie erstmals seit drei Jahren wieder positiver ausgefallen ist als im
Servicesektor.
Der Kostendruck nahm im Januar in beiden Sektoren wieder zu. Sie stiegen die
Einkaufspreise insgesamt mit der höchsten Rate seit 21 Monaten, womit auch der entsprechende
Langzeit-Durchschnittswert übertroffen wurde. Folglich wurden auch die Verkaufspreise stärker angehoben
als in den zurückliegenden vier Monaten.
Rangliste der Composite PMIs im Januar 2025
Spanien 54,0 2-Monatstief Deutschland 50,5 (Flash: 50,1) 8-Monatshoch Italien 49,7
unverändert Frankreich 47,6 (Flash: 48,3) 3-Monatshoch
HCOB Dienstleistungsindex
Eurozone
Mit 51,3 Punkten nach 51,6 im Vormonat signalisierte der finale HCOB
Dienstleistungsindex Eurozone, dass der Serviceanbieter das neue Jahr fast genauso gut begannen, wie sie
das alte beendeten.
Die Nachfrage zog im Berichtsmonat zwar noch etwas stärker an als zuletzt
und bescherte den Serviceanbietern das zweite Auftragsplus in Folge, es fiel jedoch noch immer
ausgesprochen dürftig aus. Während die Binnennachfrage zulegte, schwächte sich der Rückgang bei den
Auslandsbestellungen ab, so die aktuelle Umfrage. Die Auftragsbestände wurden mit leicht beschleunigter
Rate abgebaut, und der Stellenaufbau fiel noch etwas stärker aus als im Dezember.
Der
Preisdruck hielt sich im Januar hartnäckig. Der Kostenauftrieb beschleunigte sich und fiel so stark aus
wie zuletzt vor neun Monaten, die Angebotspreise wurden genauso stark angehoben wie im Dezember (als sie
mit der höchsten Rate seit Mai 2024 gestiegen waren).
Die Geschäftsaussichten binnen
Jahresfrist blieben zwar positiv, der Grad an Optimismus sank jedoch gegenüber Dezember geringfügig und
fiel deutlich niedriger aus als im langjährigen Mittel.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt
der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
„Das gedrosselte Wachstumstempo im
Dienstleistungssektor, welches sich fast durchgehend durch das letzte Jahr zog, setzt sich auch zu
Jahresbeginn fort. Etwas positiver ausgedrückt, waren es aber auch die Dienstleister, die maßgebend dazu
beigetragen haben, dass die Eurozone im vergangenen Jahr überhaupt noch gewachsen ist. Die zwar geringen,
aber dennoch leicht angezogenen Anstiege bei den Neuaufträgen und der Beschäftigung lassen hoffen, dass
im Startquartal dieses Jahres etwas mehr Schwung in den Sektor kommt.
Die Kosten im
Servicesektor sind im Januar beschleunigt gestiegen. Hier spielen offensichtlich die
überdurchschnittlichen Lohnerhöhungen der vergangenen Monate eine Rolle, in Deutschland wurden zudem die
CO2-Abgaben zum Jahreswechsel heraufgesetzt. Dies sind keine guten Nachrichten für die EZB, die mit
Argusaugen die Inflation im Dienstleistungssektor beobachtet, welche sich als äußerst hartnäckig erweist.
Insofern hat die EZB gut daran getan, die Zinsen Ende Januar lediglich um 25 Basispunkte zu senken, statt
aggressiver vorzugehen.
Auch die Zukunftsaussichten bleiben verhalten. Der Index ist marginal
gefallen und befindet sich seit Mitte letzten Jahres unter seinem langjährigen Durchschnitt. Angesichts
der vielen politischen Unsicherheiten, insbesondere den Neuwahlen in Deutschland und der fragilen
Regierung in Frankreich, ist das wenig verwunderlich. Größere Wachstumssprünge sind bis auf Weiteres in
diesem Sektor nicht zu erwarten.
Im Vergleich der vier großen Euroländer liegt Deutschland
aktuell an zweiter Stelle. 2024 hatten sich Deutschland und Frankreich immer wieder die rote Laterne
gereicht, und Italien befand sich in der ungewöhnlichen Lage, mehr Dynamik als die beiden großen
Wirtschaftspartner an den Tag zu legen. Im Januar fiel Italien nun erneut zurück, während Deutschland das
erste Mal seit sieben Monaten wieder die 50-Punkte-Marke überschritt. Ob dies von Dauer ist, ist
allerdings fraglich, denn Deutschland benötigt auch ein robustes Wachstum in der gesamten Eurozone. Und
darum ist es gerade schwach bestellt, denn laut Eurostat stagnierte die Wirtschaftsleistung in der
Währungsunion im Schlussquartal des vergangenen Jahres.“