Eurozone: Neue Corona-Welle drückt Wirtschaftswachstum auf Neun-Monatstief

Nach der leichten Beschleunigung im November hat sich das Wirtschaftswachstum der Eurozone im Dezember wegen der wieder steigenden CoronaInfektionszahlen auf ein Neun-Monatstief verlangsamt. Den Servicesektor hat es besonders stark erwischt, hier schwächten sich Geschäftstätigkeit und Auftragseingang gleichermaßen ab. Gleichzeitig blieb die Produktionssteigerungsrate in der Industrie wegen anhaltender Lieferunterbrechungen gedämpft.

Mit 53,3 Punkten nach 55,4 im November verzeichnete der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®) das schwächste Wachstum seit März.

Auf Sektorenebene lief die Entwicklung auseinander. So war die Abkühlung vor allem auf den in der Eurozone dominierenden Servicesektor zurückzuführen. In der Industrie wurde die Produktion mit unveränderter Rate ausgeweitet, hier verharrte der entsprechende Index auf dem zweitniedrigsten Wert seit eineinhalb Jahren und notiert damit unter dem bisherigen Jahresdurchschnitt.

Haupthindernis für die Industrie waren erneut die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Produktionsmaterialien. Geschäftstätigkeit und Nachfrage der Dienstleister wurden von den wieder steigenden Corona-Infektionszahlen stark ausgebremst. Damit hatte die Industrie beim Wachstum erstmals seit Juli wieder die Nase vorn.

Rangliste Composite Output Index Dezember:

Irland 56,5 9-Monatstief
Frankreich 55,8 (Flash: 55,6) 2-Monatstief
Spanien 55,4 8-Monatstief
Italien 54,7 2-Monatstief
Deutschland 49,9 (Flash: 50,0) 18-Monatstief

Analog zu den aggregierten Daten für den Euroraum waren auch die Composite-PMIs der einzelnen Länder im Dezember rückläufig. So verzeichneten Irland, Frankreich, Spanien und Italien verringerte Wachstumsraten, während die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Laufe des Monats weitgehend stagnierte.

Den Umfragedaten für Dezember zufolge fiel die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in der Eurozone so schwach aus wie zuletzt im März. Das Exportneugeschäft litt vor allem unter dem Auftauchen der Omikron-Variante und dem daraus resultierenden Anstieg der Corona-Infektionszahlen in einigen Ländern. Folglich fiel das Exportorderplus so schwach aus wie seit Januar nicht mehr, wenngleich der aktuelle Zuwachs einzig und allein auf den Industriesektor entfiel, während im Servicesektor ein Minus zu Buche schlug.

Ungeachtet dessen verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist vom Zehn-Monatstief im November wieder leicht. In beiden Sektoren stieg der Grad an Optimismus.

Hinzu kam, dass die Beschäftigung in der Eurozone erneut überdurchschnittlich stark zulegte, wenngleich der aktuelle Zuwachs der niedrigste seit Mai war.

Zurückzuführen war der Jobaufbau auf die wachsenden Anforderungen an die Unternehmen und den daraus resultierenden Kapazitätsdruck. So nahmen die Auftragsbestände im Dezember den zehnten Monat in Folge zu.

Den Preisindizes zufolge blieb der Inflationsdruck im Dezember ausgesprochen stark. Verkaufs- und Einkaufspreise legten jeweils mit der zweithöchsten Rate seit Umfragebeginn zu, lediglich übertroffen von den Werten im November.

Servicesektor

Mit aktuell 53,1 Punkten nach 55,9 im November sank der finale IHS Markit Eurozone Service-Index auf den tiefsten Wert seit April. Ausschlaggebend für die Wachstumsabschwächung waren die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen.

Der achte Auftragszuwachs in Folge fiel – hauptsächlich wegen des erstmals seit Mai wieder rückläufigen Exportneugeschäfts - niedriger aus als in den zurückliegenden sieben Monaten.

Ungeachtet dessen nahmen die unerledigten Aufträge ein weiteres Mal zu, weshalb sich auch der Stellenaufbau fortsetzte. Er schwächte sich jedoch auf ein Sieben-Monatstief ab.

Der Anstieg der Einkaufs- und Angebotspreise verlangsamte sich im Dezember zwar, beide Steigerungsraten waren jedoch die zweithöchsten seit Umfragebeginn.

Joe Hayes, Senior Economist bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:

„Die Wachstumsbeschleunigung von November erwies sich leider als kurzlebig. Angesichts der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen im gesamten Euroraum verzeichnete dieser im Dezember das schwächste Wirtschaftswachstum seit März. In Deutschland, wo die Maßnahmen zur Eindämmung von Corona strenger waren als in anderen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern, stagnierte die Wirtschaftsleistung im Dezember weitgehend. Die Abkühlung war jedoch auf breiter Front zu spüren.

Die Ausbreitung der Omikron-Variante wirkte sich besonders stark auf den Dienstleistungssektor aus, da hier die Kunden aufgrund der neuen Virusvariante ausblieben. Die Lockerung der Reisebeschränkungen in den letzten Monaten hatte den Tourismus beflügelt, was den Eurozone-Servicesektor zusätzlich stützte. Mit der erstmals seit Mai wieder rückläufigen Auslandsnachfrage fiel diese Stütze jetzt wieder weg.

Auch in Bezug auf die Inflation gab es wenig Grund zur Freude. Obwohl der Preisdruck leicht nachgelassen hat, läuft die Preisspirale noch immer auf Hochtouren. Der Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise war im Dezember der zweitstärkste in der bisherigen Umfragegeschichte.

Während sich die Eurozone-Länder mit den jüngsten Entwicklungen der Pandemie befassen, ist klar, dass die Risiken für die Wirtschaft zugenommen haben, da strengere Restriktionen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wahrscheinlicher sind als in letzter Zeit."

  

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Konjunktur - Wasserstandsmeldungen IV [Alle anzeigen] , Rang: Warren Buffett(2692), 05.12.21 09:46
 
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