Eurozone verzeichnet im Dezember nur noch leichte Wachstumseinbußen

Die Talfahrt der Eurozone hat sich im Dezember deutlich verlangsamt. Dies signalisiert der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®), der mit 49,1 Punkten nach 45,3 im November nur noch leicht unter der neutralen Marke von 50 Punkten notierte, ab der Wachstum angezeigt wird. Die Vorabschätzung von Anfang Dezember wurde allerdings um 0,7 Punkte unterschritten.

Der Servicesektor war erneut Sorgenkind Nummer eins, hier kam es den vierten Monat in Folge zu Geschäftseinbußen. Die Industrie legte hingegen zum sechsten Mal hintereinander zu, hier beschleunigte sich das Wachstum gegenüber November sogar nochmals.

Auf Länderebene liefen die Entwicklungen abermals weit auseinander. Irland war – teilweise wegen der Aufstockung von Lagervorräten und Produktionssteigerungen im Zusammenhang mit dem Brexit – Spitzenreiter beim Wachstum, gefolgt von Deutschland, wo die Konjunktur vom boomenden Exportgeschäft profitierte.

In den übrigen Ländern ging es hingegen durchweg bergab, in Frankreich und Spanien allerdings deutlich langsamer als zuletzt. Italien war mit Abstand Schlusslicht, hier überlagerten die starken Geschäftseinbußen im Servicesektor die moderaten Produktionssteigerungen in der Industrie.

Zurückzuführen war das rückläufige Wachstum der Eurozone den aktuellen Umfragedaten zufolge auf ähnlich hohe Einbußen beim Neugeschäft, das zum dritten Mal hintereinander ein Minus auswies.

Rangliste Composite Output Index Dezember:

Irland 53,4 4-Monatshoch
Deutschland 52,0 (Flash: 52,5) 2-Monatshoch
Frankreich 49,5 (Flash: 49,6) 4-Monatshoch
Spanien 48,7 5-Monatshoch
Italien 43,0 2-Monatshoch

Laut Umfrageteilnehmern schadeten die Social Distancing-Maßnahmen und weitere Restriktionen der Nachfrage, vor allem in Italien und Spanien. Immerhin wies das Exportneugeschäft zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Monate insgesamt Zuwächse aus.

Da der Gesamt-Auftragseingang allerdings noch immer rückläufig war, konzentrierten sich die Unternehmen erneut auf die Abarbeitung der Auftragsbestände, weshalb diese den 22. Monat in Folge abnahmen. Auch die Beschäftigtenzahlen sanken weiter, diesmal jedoch nur noch minimal. In Irland stieg die Beschäftigung, in Frankreich blieb sie unverändert, nachdem sie hier neun Monate lang geschrumpft war.




Bei den Einkaufspreisen sorgte der stärkste Anstieg in der Industrie seit über zwei Jahren dafür, dass sie auch insgesamt so rasant zulegten wie zuletzt im Mai 2019. Die Verkaufspreise wurden hingegen wegen des scharfen Wettbewerbs und des schwierigen Marktumfelds zum zehnten Mal hintereinander reduziert.

Im Zuge der zuletzt positiven Nachrichten hinsichtlich der Impfstoffentwicklung verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist merklich und fielen so optimistisch aus wie zuletzt im April 2018.

Servicesektor

Der finale IHS Markit Eurozone Service-Index legte gegenüber dem Sechs-Monatstief von November zwar um 4,7 Punkte auf 46,4 zu, er notierte damit allerdings zum vierten Mal hintereinander unter der neutralen 50-er Marke und signalisierte erneut starke Geschäftseinbußen.

Mit Ausnahme Irlands vermeldeten sämtliche von der Umfrage erfassten Länder Rückgänge, allen voran Italien, gefolgt von Deutschland und Spanien. Ausschlaggebend für den anhaltenden Schrumpfkurs des Eurozone-Servicesektors waren die fünften Auftragseinbußen in Folge. Negativ ausgewirkt haben sich vor allem die Social DistancingMaßnahmen und Reisebeschränkungen, was die hohen Verluste beim Exportneugeschäft zeigen.




Wie bereits seit März setzte sich der Stellenabbau zwar fort, er verlangsamte sich jedoch weiter und fiel nur noch äußerst schwach aus. In Deutschland und Irland stieg die Beschäftigung sogar wieder.

Der Preisauftrieb intensivierte sich spürbar, er blieb aber schwächer als im langjährigen Mittel. Die Angebotspreise wurden den zehnten Monat in Folge reduziert.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich auf breiter Front und fielen insgesamt so optimistisch aus wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Am größten war die Zuversicht diesmal in Spanien und Italien.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:




„Die Eurozone schrumpfte im Dezember zum zweiten Mal hintereinander und mit leicht beschleunigter Rate, hauptsächlich wegen der verstärkten Corona-Restriktionen. Vor allem der Servicesektor vermeldete noch höhere Geschäftseinbußen als von der entsprechenden Vorabschätzung signalisiert, da immer mehr Länder ihren Kampf gegen hohe Infektionszahlen intensivierten.

Zwar dürfte das Eurozone-BIP den aktuellen Daten zufolge im vierten Quartal 2020 wieder sinken, der Rückgang dürfte aber deutlich schwächer ausfallen als im zweiten Quartal, was dem anhaltend starken Wachstum im Industriesektor und dem steigenden Welthandel zu verdanken ist, nicht zuletzt aber auch der Tatsache, dass die jüngsten Lockdowns nicht ganz so restriktiv sind wie im Frühjahr.

Bevor es besser wird, könnte sich die Lage erst nochmal verschlimmern, da die aktuellen Umfragedaten ja vor den Nachrichten zum neuen, noch ansteckenderen Virusstamm erhoben wurden.

Schaden dürften die verschärften Social Distancing-Maßnahmen in den ersten Monaten des neuen Jahres vor allem dem Servicesektor. Damit ist auch das Risiko eines BIP-Rückgangs im ersten Quartal 2021 und einer technischen Rezession gestiegen.

Erfreulicherweise gibt es bezüglich der Impfstoffentwicklung ein Licht am Ende des Tunnels, weshalb der Optimismus der Unternehmen hinsichtlich der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist gestiegen ist. Zu einem Aufschwung wird es hoffentlich ab dem zweiten Quartal 2021 kommen.”

  

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Konjunktur - Wasserstandsmeldungen III [Alle anzeigen] , Rang: Warren Buffett(2381), 14.10.20 13:58
 
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