Trotz der Krise werde die Bank Austria in der Region heuer einen Gewinn erwirtschaften. Im Vorjahr steuerten die Ost-Töchter die Hälfte zum UniCredit-Konzerngewinn von vier Mrd. Euro bei. „Die ersten zwei Monate 2009 haben sich sehr gut entwickelt“, so Ghizzoni. Konkrete Zahlen nannte er nicht.


Es ist allerdings klar, daß notleidende Kredite nicht sofort
auftauchen, sondern mit der Zeit zunehmen werden.

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Bank Austria streicht im Osten hunderte Stellen
24.03.2009 | 18:50 | CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Im Zuge der Finanzkrise plant die Bank Austria in Osteuropa größere Sparmaßnahmen. Alleine in Kasachstan und in der Ukraine sollen heuer 600 bis 700 Mitarbeiter abgebaut werden.

Wien. Im Zuge der Finanzkrise plant die Bank Austria in Osteuropa größere Sparmaßnahmen. Bei den Tochterbanken in der Ukraine und in Kasachstan sollen heuer jeweils 600 bis 700 Stellen gestrichen werden, sagte Bank-Austria- und UniCredit-Osteuropa-Vorstand Federico Ghizzoni der „Presse“ am Rande der „Banking & Finance Lounge“ – veranstaltet von der italienischen Botschaft und der Anwaltskanzlei „Eustacchio & Schaar“. Es ist das erste Mal, dass Ghizzoni konkrete Abbaupläne für die einzelnen Länder nennt.

In der Ukraine und in Kasachstan hatte die Bank Austria noch vor der Krise kräftig zugekauft. Ghizzoni räumte ein, dass die damaligen Investments aus heutiger Sicht teuer gewesen seien, „doch langfristig werden sich die Akquisitionen rechnen“. In der Ukraine übernahm die Bank Austria für 1,5 Mrd. Euro die Ukrsotsbank – die viertgrößte Bank des Landes. 2008 musste die Beteiligung in der Bilanz um 333 Mio. Euro abgewertet werden.



Ukraine als riskanter Markt
„Wir haben bereits im Vorjahr in der Ukraine 600 bis 700 Mitarbeiter abgebaut, heuer werden es noch einmal so viele sein“, so Ghizzoni. Ende 2008 hatte die Bank Austria dort 10.700 Beschäftigte. Das Land zähle aufgrund eines möglichen Staatsbankrotts zu den politisch riskantesten Ländern, in denen der Konzern tätig ist.

Mit dem Sparkurs folgt die Bank Austria dem Beispiel der Erste Bank und Raiffeisen International. Die Erste Bank hatte Anfang März angekündigt, in der Ukraine 15 Prozent der 2100 Stellen zu streichen. Raiffeisen International will bis Sommer bei der Tochterbank in Kiew die Zahl der Beschäftigten um zehn Prozent auf 16.200 Mitarbeiter reduzieren. Auch in Kasachstan setzt die Bank Austria den Rotstift an. Vor zwei Jahren hatte sie für 1,45 Mrd. Euro mit der ATF-Bank das drittgrößte Kreditinstitut des Landes übernommen. Der Finanzsektor in dem zentralasiatischen Land stand schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise auf wackeligen Füßen. Raiffeisen lehnte die ATF als zu teuer ab. Im Vorjahr wertete die Bank Austria die Beteiligung in Kasachstan um 417 Mio. Euro ab.



Trotz Krise heuer ein Gewinn
In Summe will Ghizzoni in Osteuropa 2000 von 80.000 Stellen streichen, was im Vergleich zu anderen internationalen Konzernen nicht besonders hoch ist. Trotz der Krise werde die Bank Austria in der Region heuer einen Gewinn erwirtschaften. Im Vorjahr steuerten die Ost-Töchter die Hälfte zum UniCredit-Konzerngewinn von vier Mrd. Euro bei. „Die ersten zwei Monate 2009 haben sich sehr gut entwickelt“, so Ghizzoni. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Eine Prognose, wie lange die Krise noch dauern wird, wagte der Banker nicht. Zwar gebe es Signale, dass sich die Situation Ende 2009 bessern könnte, doch es sei unklar, ob zu diesem Zeitpunkt schon ein nachhaltiger Aufwärtstrend einsetzen wird.

UniCredit kann einen möglichen Anstieg der Kreditausfälle in Osteuropa verkraften. In der Bank-Austria-Bilanz lag die Ausfallsquote 2008 bei fünf Prozent. In Osteuropa hat das Institut knapp 72 Mrd. Euro verliehen. Selbst wenn sich davon 15 Prozent als faul herausstellen, würde das Institut nicht in die Verlustzone rutschen, war zuletzt von der UniCredit-Spitze mehrmals betont worden.

Einen Konsolidierungsprozess in der osteuropäischen Finanzbranche sieht Ghizzoni vorerst nicht. Der Markt für Übernahmen von Banken in der Region sei tot.

Die Bank Austria hat das Filialausbauprogramm vorübergehend auf Eis gelegt. „Natürlich sind wir wegen der Krise besorgt. Viele Institute überdenken derzeit ihre Businesspläne. Für UniCredit kommt ein Rückzug aus Osteuropa nicht infrage“, versichert der Vorstand. Eine Kettenreaktion etwa von der Ukraine auf andere Länder sei nicht zu befürchten. In Tschechien, Polen und in der Türkei, wo ein Großteil der UniCredit-Ostaktivitäten liegt, sieht der Banker weniger Risken.



Verhandlungen um Staatsgeld
Wann die Verhandlungen über die Aufnahme von staatlichen Finanzspritzen abgeschlossen seien, lässt sich laut Ghizzoni noch nicht sagen. Laut italienischen Medienberichten soll sich die Bank Austria bis zu 2,7 Mrd. Euro vom österreichischen Steuerzahler holen. UniCredit soll 1,3 Mrd. Euro von Italien bekommen. „Die genaue Aufteilung steht noch nicht fest“, sagt Ghizzoni. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei den angekündigten vier Mrd. Euro um einen Maximalbetrag. Es könne sein, dass die Bank weniger aufnimmt.

  

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